Johannes Kirchberg: "Der Himmel macht blau"

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Johannes Kirchberg: "Der Himmel macht blau"

Beitragvon Reliwette » Mo 1. Dez 2008, 13:45

Johannes Kirchberg: „DER HIMMEL MACHT BLAU“

Musik-Kabarett am 26.9.08 im Kulturspeicher Leer/Ostfr.
Veranstalter: Tucholsky- Kulturbörse Leer

Er kam alleine nach Leer, ohne Begleitpianisten, der 35 jährige geborene Leipziger Diplommusiker,ehemaliger Skispringer aus dem Vogtland (weiteste Weite :27 Meter!).
Skispringen sei nicht sein Ding gewesen, obschon damals alle Buben zu Skispringern ausgebildet werden sollten ( vor der Wende ). Er hat genau das Gegenteil davon zu seiner Mission gemacht. Er wurde Musiker und Kabarettist und blieb am Boden.

Leer bietet seinen Bewohnern viel Kultur, kann sich durchaus mit viel größeren Städten messen. Die meisten Aktivitäten gehen von freien Gruppen oder Bühnen aus, die sich u.a. auch zu Vereinen zusammenschließen wie z.B. die Tucholsky-Kulturbörse, die den überaus begabten Künstler nach Leer holte.
Leider bleiben zu viele Plätze frei, wenn es darum geht, den Menschen anspruchsvolle Literatur zu präsentieren..

Was hat Mensch unter „musikalischem Kabarett“ zu verstehen?
Das Publikum erlebte einen witzigen zynisch-satirisch agierenden Texter (natĂĽrlich frei vorgetragen), der sich selbst am FlĂĽgel begleitet. Und die einzelnen Sequenzen locker plaudernd ĂĽberbrĂĽckt, dabei das Publikum auch miteinbezieht.

Zweitausend traurige Lieder wolle er komponieren, vortragen, in einem riesigen Theater mit 2000 Zuschauern und 2000 Euro, er selbst in einer Kugel aus Licht agierend.
Dann schaut er ins Publikum und zuckt die Achseln als wolle er sagen, aber das hier ist die Realität. Das Publikum lacht...

Kirchberg ist richtig gut am Piano (Flügel). Die Zuschauer merken, dass er Musik studiert hat, dass er die Harmonielehre beherrscht, wechselnde Rythmen einbindet in seinen musikalischen Vortrag. Wer solche Arrangements zustande bringt, ist auch Komponist. Schließlich müssen auch Silben gezählt werden, damit sich Texte in den Tonbeitrag einfügen.
Traurige Lieder/Texte seien ihm von einem Freund abgeraten worden, eines vielleicht- ja, das man bringen könne ohne das Publikum zu sehr in Depressionen zu stürzen.

Was getragen beginnt, endet zuweilen unverhofft als Glosse wie die vermeintliche Danksagung an eine ihm nahestehende (weibliche) Person, die gründlich bei ihm aufgeräumt , den ganzen Müll entfernt habe, der ihm durch den Kopf ging. Er sei ihr dankbar dafür.
Dieser Lobgesang richtet sich schlieĂźlich an seine Putzfrau, der er einen Namen gibt.

Eine spitze Zunge formt die Texte, die Kirchberg an sein Publikum heranträgt. Zuweilen schlägt sein Dialekt zaghaft durch. Ich hatte auf Thüringen getippt (Anmerkung des Verfassers).
Hundehaltern sei mit Vorsicht zu begegnen und im ĂĽbrigen habe jeder Hamster mehr
Eigenwillen als ein hĂĽndischer Hund, von denen die Eltern zu den Kindern sprechen:
“Wau wau“ anstelle von „Beiß beiß“.
Manchmal wird es auch richtig böse z.B. wenn es um die Radfahrer geht, die man plattfahren sollte insbesondere, wenn sie wie aus dem Nichts plötzlich auftauchen und verächtlich ins Wageninnere spähen. Er sei aber zu Fuß nach Leer gekommen, Leer , das Venedig des Nordens, Leer, die Stadt mit den tausend Türmen...


Es gäbe so viele Arten von Sonnenbrillen, weiß der Protagonist singend und spielend zu berichten, aber der letzte Schrei sei eine Trauersomnnenbrille, die einer aufsetzt, um die Tränen zu verbergen, hinter der man weinen könne, auch wenn man ein Mann sei.
Da es aber zu wenig Beerdigungen gäbe, zu denen man eine Trauerbrille tragen könne, benutze er sie anlässlich von Trennungen. Das sähe cool aus... so wie bei Robert de Niro.
Wenn der Himmel blau ist und die Sonne scheint, sollte die Partnerin von einer Trennung absehen. Das könne bei Regen und schlechtem Wetter immer noch geschehen.
Leicht frivol aber charmant kommen einige Passagen rüber, wenn es um Sexualität geht, und wenn die Partnerin sich vermehren will, sollte der Mann sich auf die reine Fortpflanzung konzentrieren und das „Beiwerk auslassen“ (Anmerkung des Verfassers).

Natürlich „macht der Himmel blau“, das hat Kirchberg scharfsinnig erkannt, aber dafür „hat die Hölle ihre Pforten weit geöffnet“ (Anmerkung des Verfassers).

Intelligentes Kabarett, das sich sehen und hören lassen kann: Eintritt € 10.-. Gemessen an den Teilnahmegebühren für den Schwachsinn, der sich(mit wenigen Ausnahmen)querbeet durch die Comedyszene zieht ,direkt preiswert und wirklich empfehlenswert!

Hartmut T. Reliwette
Reliwette
 
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