Dieter Nuhr, "Nuhr die Wahrheit"

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Dieter Nuhr, "Nuhr die Wahrheit"

Beitragvon Reliwette » Sa 21. Feb 2009, 12:37

Dieter Nuhr: „“Nuhr die Wahrheit“, Ems-Aula Leer, 20.02.09

Der Zollhausverein Leer hatte den aus vielen TV – Sendungen bekannten Comedy-Star nach Leer geholt. Auf den 23,20 € teuren Eintrittskarten wurde Nuhr als „Deutschlands beliebtester Kabarettist“ angepriesen.
Darüber lässt sich wahrlich diskutieren zumal sich die Frage stellt, wie ein Dieter Nuhr überhaupt in die Entertainer-Szene einzuordnen ist. Musikalisch kommt von ihm nichts, Mimik und Gestik lassen nicht auf eine schauspielerische Ausbildung schließen und als Stimmenimitator kommt von ihm ( außer einem gelegentlichen Gequengel) auch nichts.
Was ist das Besondere an ihm? Er hat „auf Lehramt“ studiert. Er mag keine Gewalt, keine Drogen und Diskriminierung. Deshalb sei er nicht auf der Schule. Vielmehr zöge er es vor, dass die Leute freiwillig zu ihm kämen.
Nuhr plaudert charmant aus dem Leben, ĂĽber das Leben: in seinem neuen Programm, auf der Suche nach der Wahrheit.
Die findet er bei der Bundesbahn im Ankauf von Leichen, die man auf die Schienen lege, um die Verspätungen zu begründen. Es könne auch mal eine Schafherde sein, wobei dem Schäfer zu vermitteln sei, dass es sich bei dem „Licht am Ende des Tunnels“ um die Lichter eines ICE handeln könne.

Nuhr handelt den charismatischen Barrak Obama salopp in enger Anlehnung an die Weltwirtschaftskrise ab: “Der macht das schon!“ Die unglaubliche Summe von rund einer halben Billion Euro die der Hypo Real Estate zu neuerlicher Solvenz verhelfen sollen, weiß er exakt zu berechnen: auf einander gestapelt ergibt das in 500 Euro-Scheinen eine Höhe von 80Kilometern.
Ich habe das nachgerechnet und bin bei einer Million Euro von einem Geldscheinbündel von 15 cm Höhe ausgegangen. Bei einer Billion = 1000 Milliarden lande ich exakt bei 150 Kilometern.
Demnächst werde ich mir den Koran zulegen und die Sure 6 nachlesen, um zu überprüfen, ob Nuhr Recht hat, wenn er ausspricht, wie demzufolge mit Ungläubigen zu verfahren sei, nämlich dass sie Tribut zu zahlen hätten.
Seine Mutter habe ihm geraten, sich nicht mit diesen Themen auf der Bühne zu befassen, weshalb er sie auch aus dem Programm genommen habe. Denn die radikalen Islamisten hätten in ihren Schränken ein Flaggenarsenal, aus dessen Fundus sie immer diejenige Flagge verbrennen aus deren zugehörigen Land einer was gesagt hat.
Diese „Columbo-Taktik“ setzt Nuhr geschickt ein. Er tut so als wolle er sich aus der angedeuteten Szene verabschieden, um gleich darauf noch einen draufzusetzen.

Spätestens an diesen Stellen wird aus dem Comedian Nuhr, der Kabarettist Nuhr, „der es faustdick hinter den Ohren hat“.
Irgendwie bekommt der Zuschauer den Eindruck: “das ist tatsächlich ein Lehrer !
Zum Beispiel wenn er die Entstehungsgeschichte des Alten Testaments auf ihre Glaubwürdigkeit hin untersucht: Adam und Eva – wie wollen die sich in dem kurzen Zeitablauf dermaßen vermehrt haben, dass ein ganzes Volk daraus entstehen konnte?
Für Nuhr ein klares Zeichen für Inzucht – aber eben nicht nur für Inzucht.
Als Jesus angeblich über das Wasser gelaufen sei, habe einer gerufen: „Hast Du Jesus gesehen?“
„Der ist Wasser kaufen!“ Daraus habe die „stille Post“ dann „übers Wasser gelaufen“ gemacht, denn schließlich sei die erste schriftliche Niederlegung der Ereignisse 70 Jahre später erfolgt.

Auch die Geschichte mit der Sintflut sei kritisch zu hinterfragen. Von jeder Gattung wieder nur zwei – auch das laufe auf Inzucht hinaus....
Am schwersten fiele ihm die Vorstellung, der Mensch sei ein Ebenbild Gottes oder der Umkehrschluss : Gott sehe so jämmerlich aus wie wir Menschen, besonders auf dem Klo beim Ausscheiden.
Und er stellt die berechtigte Frage, ob Gott denn ĂĽberhaupt eine Verdauung habe?
Und wenn ja, könne es doch sein, dass unsere Welt samt Kosmos Produkt seiner Verdauung ist, denn so wie der Mensch beschaffen sei......also da sei Gott etwas gründlich daneben gegangen bei seiner Schöpfung. Die Verwandtschaft des Menschen mit einer Kolibakterie, die sich im Darm festsetze, sei jedenfalls gegeben.

Die existenzphilosophischen Ausführungen Nuhrs sind spitzfindige Spötteleien, die hauptsächlich den katholischen Klerus treffen. Beim Leeraner Publikum trifft er vorwiegend auf evangelisches „Klientel“ (AnmerkungdesVerfassers). Er möge mit diesem Teil des Programmes das Cloppenburger Gebiet großräumig „umfahren“.

Wenn zwei Stunden Programm „abgespult“ sind, fordert das ostfriesische Publikum frenetisch eine Zugabe. Nuhr bekommt „vier Vorhänge“.
„Sind noch Fragen?“ Das ist Nuhrs Zugabe. Und dann bekommen es die (jugendlichen) Frager zum Teil knüppeldicke: „ Sind Sie schon einmal aus Leer hinaus gekommen? Ich meine jetzt nicht bis nach Aurich!“

Die Frage, was er denn rauche, verkneife ich mir mit RĂĽcksicht auf meine Begleiterin...

H. T. Reliwette
Reliwette
 
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